{"id":651,"date":"2018-11-07T12:02:13","date_gmt":"2018-11-07T11:02:13","guid":{"rendered":"https:\/\/eine-welt-erleben.de\/?page_id=651"},"modified":"2019-03-03T11:11:27","modified_gmt":"2019-03-03T10:11:27","slug":"ben-und-silja-in-sambia-4","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/eine-welt-erleben.de\/index.php\/ben-und-silja-in-sambia-4\/","title":{"rendered":"Ben und Silja in Sambia"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p><strong>Alles auf Anfang<\/strong><\/p>\n<p>Mitte November habe ich Gwembe, mein erstes kleines Zuhause hier in Sambia, f\u00fcr ein neues in Mazabuka verlassen. Gwembe ist im Gegensatz zu Mazabuka ein kleines Dorf. Es war sehr hilfreich, dass ich Mazabuka schon durch meine Zeit, die wir mit den Schwestern hier verbracht haben, etwas kannte.<\/p>\n<p>Ich wurde sehr nett in der neuen Familie aufgenommen. Vor allem sind meine Mutter und mein \u201eGastbruder\u201c zu Hause. Er ist nur quasi mein Bruder, da er eigentlich der Sohn einer Cousine meiner Mutter ist. Mit ihm teile ich mir ein Zimmer und wir verbringen sehr viel Zeit miteinander. Au\u00dfer diesem Teil meiner neuen Gastfamilie begr\u00fc\u00dften mich noch vier Hunde im Garten des Hauses. Vier Weibchen: Charlie, Shadey, Norbit und Sugar, der Nachbarshund. Sch\u00f6n ist auch, dass meine Gro\u00dfeltern in Kaonga, einem andern Stadtteil von Mazabuka, leben. Im Prinzip habe ich so zwei Zuhause in derselben Stadt.<\/p>\n<p>Meine Mutter arbeitet unter der Woche sehr viel, weshalb ich mit meinem Bruder den Gro\u00dfteil der Hausarbeit \u00fcbernehme. Dazu geh\u00f6ren nat\u00fcrlich auch Waschen, Kochen und Putzen, aber generell packt jeder so viel und h\u00e4ufig mit an, wie er kann.<\/p>\n<p>Genau wie in Gwembe gibt es eine Youth-Group der r\u00f6misch-katholischen Kirche. Jeden Sonntag nach der Messe hei\u00dft es dann entweder Reden \u00fcber anstehende Veranstaltungen, Chorproben f\u00fcr besondere Messen oder einfach der Austausch \u00fcber Themen, Probleme und mehr.<\/p>\n<p>Die ersten beiden Wochen meiner Zeit in Mazabuka, verbrachte ich mit meinem Bruder, der mir sowohl die Umgebung meines neuen Zuhauses als auch einige seiner Freunde vorstellte. In Mazabuka selbst leben wir auf der Zuckerplantage in der \u201eStaff-Area\u201c, also einer der Werkssiedlungen von \u201eZambia Sugar\u201c, da meine Mutter als Buchhalterin bei selbiger arbeitet. Das Haus ist wundersch\u00f6n mit einem netten Nutz- und Ziergarten drum herum. Neben Mangos, von denen wir zeitweise so viele hatten, dass wir sie an die Nachbarn verschenkt haben, kann man auch Guaven, Papaya und viele verschiedene Gem\u00fcsesorten finden.<\/p>\n<p>Nachdem ich eine Woche teils zu Hause mit den Hunden, teils im Haus meiner Gro\u00dfeltern verbracht habe, wurde ich p\u00fcnktlich kurz vor Weihnachten ein bisschen krank und wurde von meinen Gro\u00dfeltern dankenswerter Weise unterst\u00fctzt. Kurz vor Weihnachten und am Feiertag selbst habe ich dann endlich meine beiden anderen Gastbr\u00fcder kennengelernt.<\/p>\n<p>Ich durfte nicht nur den Weihnachtsbaum f\u00fcr meine Mutter sondern auch f\u00fcr meine Gro\u00dfeltern schm\u00fccken. Ich habe die Weihnachtstage hier sehr genossen. Die Woche zuvor schon gab es jeden Abend eine Messe, was dann am Sonntagabend in einem Gesangskonzert der verschiedenen kirchlichen Gruppen endete. Am besten von allen haben mir pers\u00f6nlich dabei ein Kinderchor und der Kirchenchor gefallen. Am Heiligabend gab es vor der Messe auch noch ein Theaterst\u00fcck der Kinder zur Jesusgeschichte. Die eigentliche Hauptmesse war aber am Weihnachtstag, wo wir nach selbiger am Morgen zum Familienessen bei den Gro\u00dfeltern eingeladen worden sind. Jeder hatte etwas gekocht oder mitgebracht.<\/p>\n<p>Kurz darauf war ich dann auch schon mit dem Flugzeug auf dem Weg nach Tansania, wo ich in den kommenden Wochen ein sehr bereicherndes Zwischenseminar, Urlaub und eine wundersch\u00f6ne Zugfahrt im Tanzara zur\u00fcck nach Hause erleben durfte. Nach meiner R\u00fcckkehr und auch schon w\u00e4hrend meiner Zeit in einem anderen afrikanischen Land ist mir sehr stark aufgefallen, wie sehr verallgemeinernd man immer von Afrika spricht. H\u00e4ufig wird Afrika im Fernsehe, Zeitungen, aber auch beim Behandeln dieses Themas in der Schule immer mit L\u00e4ndern wie USA, China oder auch Deutschland gleichgesetzt. Dabei ist Afrika ein Kontinent mit sehr vielf\u00e4ltigen und unterschiedlichen Kulturen und L\u00e4ndern. Diese Kulturen machen nat\u00fcrlich vor kolonial gesetzten Landesgrenzen keinen Halt. Aber als ich in Tansania war, sind mir sehr viele kulturelle Unterschiede zu Sambia noch deutlicher geworden. Ich muss sogar sagen, dass ich es noch schwieriger finde, ein Land in Afrika als in Europa zu verallgemeinern. Allein in Sambia werden zum Beispiel 72 verschiedene Bantu-Sprachen und Englisch gesprochen, wobei Letzteres aus der Kolonialzeit herr\u00fchrt. Jede Bev\u00f6lkerungsgruppe setzt die eigene Kultur quasi durch die Sprache ein bisschen von der der anderen ab. Es w\u00e4re also quasi viel richtiger von Deutschen in einem Atemzug mit z.B. der Volksgruppe der Chitonga zu sprechen.<\/p>\n<p>Nach meiner R\u00fcckkehr war vieles so geblieben, wie ich es verlassen hatte. Nur dass sich unsere Familie hat sich vergr\u00f6\u00dfert hatte: um die Welpen von Shadey und Sugar.<\/p>\n<p>Direkt am ersten Tag gab es ein Treffen der Youth-Group f\u00fcr ihren Schutzpatron Don Bosco. Nach einer kurzen Messe wurde \u00fcber ihn gesungen und kleine Sketche vorgef\u00fchrt. Der Rest des Tages war dann sehr frei gestaltet mit einer gro\u00dfen Box, um die wir im Kreis getanzt haben, und einem gro\u00dfen Sportangebot mit Volleyball, Netball und Fu\u00dfball.<\/p>\n<p>Auf dieses Wochenende folgte direkt meine Arbeit an der \u201eFlamboyant Special School\u201c, an der\u00a0 behinderte und geh\u00f6rlose Kinder unterrichtet werden. Die erste Woche: und ich durfte direkt beim Unterricht helfen. Am Freitag wurde nach der Versammlung am Morgen, bei der ich meine ersten Worte auf englischer Geb\u00e4rdetensprache lernte, als die Nationalhymne gesungen wurde, gab es eine nette Sporteinheit am Nachmittag. Wie auch schon in der neuen Familie, wurde ich auch hier von Sch\u00fclern und Lehrern sehr herzlich in Empfang genommen. (Ich finde generell, ohne verallgemeinern zu wollen, dass ich hier Herzlichkeit viel h\u00e4ufiger antreffe als zum Beispiel in Deutschland. Eine der Sachen, die ich versuchen werde, auf jeden Fall mit nach Hause zu nehmen.)<\/p>\n<p>Die zweite und dritte Woche habe ich in einer Klasse mit geh\u00f6rlosen Kindern gearbeitet. F\u00fcr mich als Mensch,\u00a0 der Musik sehr liebt, und der deshalb sehr von seinem Geh\u00f6r abh\u00e4ngig ist, ist die Arbeit in dieser Klasse sehr interessant. Und obwohl ich erst sehr kurz in der Klasse bin, glaube ich, doch schon sehr viel Geb\u00e4rdensprache zu verstehen.<\/p>\n<p>In Zukunft m\u00f6chte ich so viel wie m\u00f6glich auch noch den Unterricht der anderen Klassen besuchen, aber auch weiterhin meine Kenntnisse in dieser f\u00fcr mich noch neuen Sprache erweitern. Da Mazabuka eine eher gr\u00f6\u00dfere Stadt ist, wird hier viel Englisch gesprochen. Trotzdem m\u00f6chte ich\u00a0 auch meine Kenntnisse in Chitonga aus weiten. Meine Br\u00fcder haben mir erz\u00e4hlt, dass Chitonga mit Chibemba und Chinyanja\u00a0 zusammen eine der h\u00e4ufigsten Sprachen ist, und jeder h\u00e4ufig mindestens eine dieser drei Sprachen, Englisch und seine lokale Sprache spricht, was ich sehr beeindruckend finde. Au\u00dferdem freue ich mich noch auf meine weitere Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden in der Kirche und bei der Arbeit. Ich hoffe, dass die Zeit hier nicht zu schnell verfliegt und ich dann im August mit noch mehr sch\u00f6nen Erinnerungen und guten Gef\u00fchlen zur\u00fcckkehren kann.<\/p>\n<p><em>Ben Lukas Koch<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Erfahrungen f\u00fcr meine Zukunft<\/strong><\/p>\n<p>Hallo Ihr Lieben,<\/p>\n<p>Ich kann es gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man sich schon richtig gut eingelebt hat. Jetzt sind es n\u00e4mlich schon mehr als f\u00fcnf Monate und ich merke jetzt schon, dass die restliche Zeit viel zu schnell vorbeigehen wird. Die Arbeit im Krankenhaus macht mir immer noch sehr viel Spa\u00df. Es gibt kein sch\u00f6neres Gef\u00fchl, als bei einer Hospitation eine Geburt mit zu erleben. Die Hebammen zeigen mir sehr viel von ihrer Arbeit und ich lerne immer mehr dazu. Dadurch habe ich gemerkt, wie toll ich den Beruf finde und ich habe entschieden, selbst in die Richtung der Hebamme zu gehen. Das Krankenhaus, in dem ich arbeite, ist zwar nicht so gro\u00df, aber es gef\u00e4llt mir trotzdem sehr gut dort. Das liegt wahrscheinlich auch an den sehr freundlichen Hebammen und Krankenschwestern, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Es wird nie langweilig, weil man immer etwas Neues erlebt. Dazu geh\u00f6rt leider auch der Tod, der genau so Teil davon ist, wie das Leben. Man muss aufpassen, dass man nicht alles zu nah an sich heran l\u00e4sst. Ich bin immer noch erstaunt, was die Hebammen mit wenigen Mitteln alles schaffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mein Alltag unter der Woche sieht dann meistens so aus: um 13:00 gehe ich nach der Arbeit nach Hause, dann bade und esse ich etwas und habe danach etwas Freizeit. Abends bereiten wir zusammen das Abendessen zu. Ich habe auch schon gelernt, wie man das traditionelle Gericht Nshima (eine Art Maisbrei) kocht.<\/p>\n<p>Weihnachten wurde relativ einfach gehalten. Wir haben am Weihnachtsmorgen sehr fr\u00fch angefangen zu kochen, viele verschiedene Sachen wie zum Beispiel Kartoffeln, Nudeln, H\u00e4hnchen, Bohnen und vieles mehr. Am Tag davor hatte ich auch noch einen Kuchen gebacken, den wir dann zusammen gegessen haben. Bei mir kam leider keine richtige Weihnachtsstimmung auf, was aber daran lag, dass es viel zu warm war. Trotzdem hat mir das andere Weihnachten sehr gefallen. Man sollte immer erst alle M\u00f6glichkeiten austesten, bevor man sagen kann, was einem gef\u00e4llt oder was zu einem passt.<\/p>\n<p>Ein paar Tage sp\u00e4ter haben Ben und ich uns nach Sansibar aufgemacht, um dort ein paar Tage Urlaub zu machen und danach das Zwischenseminar zu besuchen.<\/p>\n<p>Wir sind \u00fcber Nacht geflogen und kamen am fr\u00fchen Morgen auf Sansibar an. Wir haben uns in Stone Town mit anderen deutschen Freiwilligen getroffen und dort ein paar Tage verbracht. Wir haben uns den Night Market mit vielen leckeren Speisen angesehen und auch eine tolle Spice Tour gemacht. Bei der Spice Tour wurden einem die verschiedenen Gew\u00fcrze in einem Wald gezeigt und wir durften auch Fr\u00fcchte probieren. Danach sind wir weiter nach Nungwi gefahren, also ganz in den Norden von Sansibar. Ich bin dort Schnorcheln gegangen und wir konnten viel am Strand und auf dem Markt entdecken. Leider habe ich mir einen starken Sonnenbrand geholt, aber das hat mich nicht davon abgehalten, Spa\u00df zu haben. In Nungwi gibt es wundersch\u00f6ne Str\u00e4nde und man kann die Abendd\u00e4mmerung in einem Restaurant direkt am Strand verbringen. Wir hatten dort wirklich eine tolle Zeit.<\/p>\n<p>Danach sind wir mit der Nachtf\u00e4hre direkt nach Daressalam, Tansania, gefahren. Nach ein paar Tagen Stadtbesichtigung sind wir zum Zwischenseminar gefahren. Eine Woche lang konnten wir uns mit anderen deutschen Freiwilligen aus Sambia, Tansania, Malawi und Uganda austauschen, haben Diskussionen gef\u00fchrt und einen Ausflug zum Strand gemacht. Mir hat diese Woche gut gefallen und es tat auch gut, sich mit anderen Freiwilligen \u00fcber Probleme, \u00c4ngste, Erfahrungen oder Erfolge auszutauschen.<\/p>\n<p>Mit dem Zug sind wir dann drei Tage von Tansania nach Sambia gefahren. Ich habe mir mein Schlafabteil mit zwei Koreanerinnen geteilt und zusammen hatten wir eine sch\u00f6ne Zeit. Das Essen war sehr lecker und auch das Personal war sehr freundlich. Klar dauerte es schon ziemlich lange, aber die Natur war schon sehr sch\u00f6n. Wir sind durch viele D\u00f6rfer gefahren und haben dadurch viele Menschen getroffen. Die Sauberkeit war nicht perfekt, aber es war auch nur f\u00fcr drei Tage.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in Chikuni\u00a0 habe ich mich sehr gefreut, wieder in der Familie zu sein und auch wieder arbeiten zu gehen. Nun, nach ein, zwei Wochen, finde ich mich wieder mitten im Alltag wieder, arbeite im Krankenhaus und verbringe Zeit zu Hause mit der Familie. Ich warte immer noch darauf, den dritten Sohn der Familie kennenzulernen. Er ist der zweit\u00e4lteste und ich habe ihn bisher noch nicht pers\u00f6nlich getroffen. Dann kann ich auch endlich ein vollst\u00e4ndiges Familienfoto machen.<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen durfte ich dann auch den OP besuchen und dort alles beobachten. Eine Frau in ihren Vierzigern lie\u00df sich sterilisieren. Ich war dabei, wie sie vor ungef\u00e4hr zwei Monaten ihr zehntes Kind bekommen und damit ihre Familienplanung abgeschlossen hat. Die Operation war sehr schnell vorbei und ich fand sie auch nicht so schlimm, wie man vielleicht vermutet. Es war echt eine tolle Erfahrung und wenn ich kann, m\u00f6chte ich bald wieder hospitieren. Vielleicht kann ich dann auch schon bald bei einem Kaiserschnitt dabei sein? Das w\u00e4re noch ein Wunsch von mir.<\/p>\n<p>Ansonsten freue ich mich auf die weiteren Monate und auf das,\u00a0 was ich alles noch so erleben werde. Ich denke, es wird noch eine aufregende Zeit.<\/p>\n<p><em>Silja Th\u00f6nnes<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h4><strong>Heute zwei Monate Gwembe<\/strong><\/h4>\n<p>Ehrlich gesagt kommt mir die Zeit sehr viel k\u00fcrzer vor, weil schon so vieles hier passiert ist.<\/p>\n<p>Vor ungef\u00e4hr zweieinhalb Monaten sind meine Mitfreiwillige Silja und ich nach einem emotionalen Abschied von der Familie und gef\u00fchlten f\u00fcnf Minuten Fl\u00fcgen \u00fcber Paris und Nairobi in Lusaka am Kenneth Kaunda International Airport gelandet.<\/p>\n<p>Es lag vor allem an der Vorfreude, die ich auf das Jahr hatte, dass mir der Flug so kurz vorkam.<\/p>\n<p>Obwohl unser Hauptgep\u00e4ck in Nairobi stecken geblieben war, was an einer kurzen Umsteigezeit dort lag, f\u00fchlten wir uns dank einer herzlichen Umarmung von Sister Chrisencia und den anderen Sisters des Holy Spirit und einem leckerem Essen am Abend sehr wohl. Dass wir erst am Abend angekommen waren, hatte vor allem den Grund, das eine gro\u00dfe Baustelle auf einem Abschnitt der Strecke und eine Unfall uns den Weg versperrten. Diese mussten wir nat\u00fcrlich beim Abholen des Gep\u00e4cks nochmal passieren. Die lange Fahrt wurde jedoch durch wunder sch\u00f6ne Sonnenauf- und Sonnenunterg\u00e4nge und netten Gespr\u00e4chen mit dem Fahrer der Sisters sehr verk\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Ansonsten durften wir erstmal entspannen und uns im Haus der Sisters einleben. Das \u201eTouri-Gef\u00fchl\u201c, dass ich immer ein bisschen habe, wenn ich in einem anderen Land ankomme, war nat\u00fcrlich da, verschwindet aber immer mehr seit ich hier bin.<\/p>\n<p>Am Samstag stellte uns Sister dann den Plan f\u00fcr die kommende Woche vor. Den Sonntag verbrachten wir einer Messe in Gwembe, der Stadt die ich heute mein zweites Zuhause nennen darf, und Chikuni, wo Silja ihr Familie das erste Mal Live und in Farbe treffen konnte.<\/p>\n<p>Die anschlie\u00dfende Woche, die wir im Gasthaus der Sisters verbrachten, war gef\u00fcllt<\/p>\n<p>mit Chitonga-Unterricht durch die herzliche Mrs. Mapanza, Eink\u00e4ufen im lokalen Supermarkt, dem Kochen f\u00fcr die Sisters mit eigenen Men\u00fcs und vielem mehr. Dabei war der Unterricht nicht nur auf die Sprache beschr\u00e4nkt, sondern enthielt auch kulturelle Besonderheiten Sambias und einen Tag an dem wir alles m\u00f6gliche Essen probieren und mitnehmen durften. Unsere Lehrerin, die aus der gleichen Stadt kommt, in der ich derzeit lebe, betonte dabei immer wieder, dass der Umgang jedoch in jeder Familie anders sei, womit sie Recht behalten sollte.<\/p>\n<p>Am letzten Tag zeigte sie uns dann noch ihre eigentliche Arbeitsstelle, ein Platz f\u00fcr Kleinkinder mit eigenem Platz f\u00fcr Vorschulunterricht und einem Wundersch\u00f6nen Gem\u00e4lde von einem lokalen befreundeten K\u00fcnstler.<\/p>\n<p>Nachdem der Samstag erstmal zum Entspannen und Planen genutzt wurde, fuhren wir in den folgenden Tagen mit kleinerem Gep\u00e4ck nach Livingston, um dort die Viktoria Wasserf\u00e4lle mit der ehemaligen Freiwilligen Nina und ihrem Bruder zu bestaunen. Dabei durften wir dann auch nochmal richtig den Tourist\/die Touristin raus h\u00e4ngen lassen: Kamera, drei Kilo Sonnencreme im Gesicht und \u00a0Kappe.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns beide ging dann es zur gro\u00dfen \u00dcberraschung am Dienstag direkt in die Familien, in denen wir jetzt seit zwei Monaten leben.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchle mich sehr wohl in meiner (Gast-)Familie, die aus meinen beiden Eltern, meiner \u00e4lteren und j\u00fcngeren Schwester, meinem kleinen Bruder, dem Sohn meiner \u00e4lteren Schwester und einer Cousine besteht, die derzeit mit uns hier lebt. Ein kleiner Anstieg also von 5 auf 8 Personen. Am Anfang war ich mir dabei noch unsicher, was f\u00fcr Aufgaben ich als einziger \u201eJunge\u201c in der Familie \u00fcbernehmen soll, da in den letzten Jahren kein Junge mit dem Ewe nach Sambia gereist war. Zu dem liegt diese Einstellung im Nachhinein betrachtet vielleicht an einigen Vorurteilen, die ich \u2013 wenn auch unterbewusst &#8211; \u00a0aus Deutschland mitgebracht habe. In meinem Kopf portr\u00e4tierte sich die \u201etypische afrikanische\u201c Familie mit einer traditionellen Rollenverteilung in patriarchaler Struktur: die Frauen waschen, kochen, putzen und k\u00fcmmern sich um die Kinder; die M\u00e4nner gehen arbeiten, treffen wichtige Entscheidung und lassen sich bedienen. Obwohl ich von zu Hause viele Familien kenne, in denen es auch anders l\u00e4uft und ich auch selber nicht in solch einer konservativen Familienstruktur aufgewachsen bin, hatte ich diese Erwartungen an meine Gastfamilie. Ich denke das liegt vor allem an einem rassistischen Vorurteil, dass die Abwesenheit von \u201ewestlicher\u201c Kultur h\u00e4ufig gleichgesetzt wird mit einer Abwesenheit von Fortschritt, unter anderem eben auch bei Geschlechterfragen. Auch wenn das etwas war, das unterbewusst in meinem Kopf ablief, bin ich froh dass ich diesen sozialisierten Denkfehler entdeckt habe und mich jetzt aktiv gegen solche Gedanken wehren kann, denn bis auf das K\u00fcmmern der beiden kleinen Jungen mache ich eigentlich alles im Haushalt, wozu auch Kochen und Waschen geh\u00f6rt. Dabei wird mit Waschpaste, Wasser, einer Wanne und den H\u00e4nden gewaschen, was ich auch erstmal lernen musste und gar nicht so einfach ist wie es sich an h\u00f6rt.<\/p>\n<p>Das Essen ist super lecker und unterscheidet sich im Aufbau und der Zusammensetzung nicht gro\u00df von deutschem Essen. Die Zubereitung ist nat\u00fcrlich anders und was in Deutschland die Kartoffel ist, ist hier Shima, ein fester Maisbrei, den man mit den H\u00e4nden isst und sich das Essen greift. Zwischendurch gibt es aber auch immer wieder Reis, Kartoffeln oder Nudeln, die wir dann mit Messer und Gabel essen. Wie ich Shima mit Besteck essen sollte, w\u00fcsste ich aber auch gar nicht.<\/p>\n<p>Meine Arbeit habe ich erst vor kurzem begonnen, da es einige kleine Organisierungsschwierigkeiten gab, was vor allem daran liegt, dass ich der erste Freiwillige in Gwembe bin. Ich arbeite tags\u00fcber im Krankenhaus und habe vor kurzem vom Empfang, an dem die Patienten\/Patientinnen ankommen und ihre Karteikarten erhalten, zur Physiotherapie Abteilung gewechselt. Obwohl das Krankenhaus klein ist besitzt es eigentlich alle n\u00f6tigen Stationen. Nur bei gr\u00f6\u00dferen Operationen, werden die Patienten mit einem Krankenwagen nach Monze oder Chikuni geschickt.<\/p>\n<p>Nach der Arbeit gibt es meistens erstmal etwas zu essen und ich gehe zur \u201eYouth-Group\u201c. Das ist quasi der Jugendtreff, der in Gwembe noch sehr jungen r\u00f6misch-katholischen Kirchengemeinde.<\/p>\n<p>Mit der Gruppe hatte ich bereits zwei Auftritte mit Tanzen und Liedern in Chitonga und Englisch. Einer war bei dem monatlichen Konzert der Jugendgruppen, bei dem sie Geldsammeln und der andere in der Kirche. Was genau ich in Chitonga gesungen habe wei\u00df ich nicht, da mir das Lernen und Sprechen der Sprache schwerer f\u00e4llt als gedacht. Ich versuche es aber inzwischen mit einer Lehrerin, die ich auf einem der Fahrradausfl\u00fcge kennengelernt habe, zu denen mich der Auszubildende Bruder Paul mitnimmt.<\/p>\n<p>Ansonsten nutze ich meine Freizeit zum Treffen mit bereit gemachten Freunden\/ Freundinnen, mit denen ich dann Fu\u00dfball oder Netball gucken gehe. Viele von ihnen habe ich in der Kirche kennengelernt. Ich habe auch vor einem der vier gro\u00dfen Fu\u00dfball Vereine der Gwembe-League in naher Zukunft beizutreten.<\/p>\n<p>Abends gucken wir als Familie alle gemeinsam Fernsehen, was sich glaube ich nicht gro\u00df von typisch deutschen Abenden unterscheidet. Statt Tatort und anderen Serien gucken wir aber immer eine Bollywoodserie, die ich, wie ich zugeben muss, manchmal in ihren Handlungen und Dialogen besser als deutsches Fernsehen finde. Aber auch Serien von sambischen oder namibischen Produktionsfirmen gibt es viele, obwohl es mir die Handlungen noch nicht so angetan haben, finde ich die Schauspieler\/ Schauspielerinnen hier h\u00e4ufig besser und \u00fcberzeugender als bei amerikanischen Produktionen.<\/p>\n<p>Bis auf eine kleine Unterbrechung am Tag der deutschen Einheit, zu dem wir nach Lusaka in die deutsche Botschaft eingeladen wurden, lebe ich jetzt zwei Monate in Gwembe und f\u00fchle mich super wohl. Wie beschrieben unterscheidet sich mein Leben hier in vielen Dingen vom Leben in Deutschland, vieles ist aber auch gar nicht so anders, wie man sich das vorstellt. Trotzdem freue ich mich weiter hier vieles zu lernen und mein weiteres Jahr in Sambia verbringen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><em>Ben Lukas Koch<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h4><span style=\"color: #808080;\">Willkommen in Sambia<\/span><\/h4>\n<p>Nun bin ich schon etwas mehr als zwei Monate in Sambia und ich muss sagen, dass ich mich schon richtig gut eingelebt habe. Nat\u00fcrlich waren die ersten Tage ein kleiner Kulturschock, aber die Menschen haben uns sehr freundlich empfangen. Wir haben sogar die Viktoria F\u00e4lle gesehen. Auch wenn sie zu dieser Zeit eher wenig Wasser hatten, so waren sie doch sehr beeindruckend.<\/p>\n<p>Nach der Eingew\u00f6hnungswoche sind wir dann endlich zu unseren Familien gekommen. Ich war schon echt aufgeregt und der Empfang war sehr herzlich, zudem habe ich einen leckeren Willkommenskuchen bekommen und wir haben viel geredet und gelacht. In meiner sambischen Schwester Martha habe ich eine gute Gespr\u00e4chspartnerin gefunden. Auch pflegen wir als Familie ein offenes Verh\u00e4ltnis. Mein Tonga Name ist Chabilo, was so viel wie jubeln oder anfeuern bedeutet.<\/p>\n<p>Leider muss man sich sehr oft auf Stromausf\u00e4lle und wenig Wasser einstellen, aber wir haben sehr gute L\u00f6sungen gefunden, um diese Stunden gut zu \u00fcberbr\u00fccken.<\/p>\n<p>Nach den ersten paar Wochen zu Hause hatte ich die Wahl, mir eine Arbeitsstelle auszusuchen. Ich habe mich f\u00fcr das Krankenhaus entschieden und arbeite nun auf der Entbindungsstation. Es ist eine sehr spannende und wundervolle Arbeit.<\/p>\n<p>Langsam aber sicher fange ich an Tonga zu lernen. Tonga ist in unserer Region die am meisten gesprochene Sprache. Bis jetzt kann ich zwar nur die Begr\u00fc\u00dfung, aber wer wei\u00df wie es nach einem Jahr damit aussieht. Die Menschen in Chikuni sind sehr freundlich und haben mich gut empfangen. Wir haben das Gl\u00fcck, dass in unserer N\u00e4he eine sehr gute N\u00e4herin wohnt und bis jetzt habe ich auch schon zwei sehr sch\u00f6ne Kleider bekommen. Die Kleider werden aus Chitenge gemacht, einem bunt gemusterten Stoff, den die Frauen hier als eine Art Rock tragen. Zudem ist er als Schutz vor Staub gedacht und sieht sehr sch\u00f6n aus.<\/p>\n<p>Am 24. Oktober war der Independence Day in Sambia. Wir haben an diesem Tag zusammen H\u00e4hnchen gegrillt und zusammen getanzt. Die Feier ging bis in den Abend hinein und alle hatten eine Menge Spa\u00df zusammen. Zudem habe ich viele neue Leute kennengelernt und viel geredet.<\/p>\n<p>Jetzt f\u00e4ngt so langsam die Regenzeit an und nach den hei\u00dfen Tagen ist das eine sch\u00f6ne Abk\u00fchlung.<\/p>\n<p>Insgesamt habe ich mich sehr gut eingelebt und f\u00fchle mich sehr wohl. Ich freue mich schon auf viele neue Erfahrungen und Erlebnisse.<\/p>\n<p><em>Silja Th\u00f6nnes<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles auf Anfang Mitte November habe ich Gwembe, mein erstes kleines Zuhause hier in Sambia, f\u00fcr ein neues in Mazabuka verlassen. Gwembe ist im Gegensatz zu Mazabuka ein kleines Dorf. Es war sehr hilfreich, dass ich Mazabuka schon durch meine Zeit, die wir mit den Schwestern hier verbracht haben, etwas kannte. 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