{"id":682,"date":"2018-12-07T18:55:44","date_gmt":"2018-12-07T17:55:44","guid":{"rendered":"https:\/\/eine-welt-erleben.de\/?p=682"},"modified":"2018-12-07T18:55:44","modified_gmt":"2018-12-07T17:55:44","slug":"ein-wiedersehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eine-welt-erleben.de\/index.php\/2018\/12\/07\/ein-wiedersehen\/","title":{"rendered":"Ein Wiedersehen"},"content":{"rendered":"<p>Vor meiner vierw\u00f6chigen Reise nach Sambia war ich ganz sch\u00f6n aufgeregt und habe mich gefragt, was mich dort erwarten w\u00fcrde. Was hat sich ver\u00e4ndert? Wer wird mich wohl wiedererkennen? Wie wird es sein, meine Gastfamilie wieder zu sehen? Ich hatte vorab nur meiner Gast-Oma erz\u00e4hlt, dass ich zu Besuch komme. Angekommen in Pemba stieg ich aus dem Bus aus, niemand bemerkte mich erst einmal, ich lief die Stra\u00dfe runter bis zu unserem Haus, der Kellner in unserem Restaurant fragte mich, wohin ich m\u00f6chte und ich antwortete intuitiv \u201enach Hause\u201c. \u201eNach Hause?\u201c Ein paar Momente Stille, bis es dann Klick machte. \u201eNina, das glaube ich nicht, bist du es? Wir dachten schon, du h\u00e4ttest uns vergessen, willkommen zuhause!\u201c Erleichterung. Es hat sich nichts ver\u00e4ndert. Sofort kehrt das Gef\u00fchl von Zuhause wieder ein. Dieses Mal begleitete mich mein j\u00fcngerer Bruder auf meiner Reise, der Sambia bisher nur aus meinen lebhaften Erz\u00e4hlungen kannte. Einige Mitbewohner unseres Hauses musste ich entt\u00e4uschen, da es leider nicht mein Ehemann, sondern mein Bruder war. Auf den zweiten Blick lachten dann auch alle herzlich dar\u00fcber, weil wir uns tats\u00e4chlich sehr \u00e4hnlich sehen. Meine Gastfamilie hat sich sehr dar\u00fcber gefreut, nun ein weiteres Familienmitglied kennenzulernen. Mein Vater hatte mich mit fairreisen w\u00e4hrend meines Freiwilligendienstes besucht. Welcome, welcome Vincent. Schnell war er der neue Sohn, der Bruder und der ganze Stolz der Fu\u00dfballmannschaft. Und ich? Ich konnte mich entspannt zur\u00fccklehnen und alle Eindr\u00fccke, einschlie\u00dflich der Sonnenstrahlen einsaugen und viel erz\u00e4hlen. Trotz der regelm\u00e4\u00dfigen Kontakte gab es viel zu berichten. Wir hatten f\u00fcnf Jahre aufzuholen. Meine R\u00fcckkehr nach Pemba war wie ein Nachhausekommen in den Familienalltag meiner zweiten Familie. Auch mit Solomon Phiri, dem Vorsitzenden unseres Vereins auf sambischer Seite, sprach ich \u00fcber dieses Gef\u00fchl von Zuhause. Das ist auch eines der sch\u00f6nen Resultate unserer Vereinsarbeit, dass wir nicht nur den interkulturellen Austausch f\u00f6rdern, sondern dass durch das Zusammenleben der Freiwilligen mit den Gastfamilien und Gemeinden pers\u00f6nliche Begegnungen stattfinden, aus denen intensive Freundschaften und auch Familien entstehen, die auf lange Sicht hin zusammen halten. Ich f\u00fcr meinen Teil wei\u00df, dass nun auch mein Bruder, den Kontakt zu meiner Gastfamilie aufrechterhalten wird und sicherlich nicht das letzte Mal dort war.<\/p>\n<p>Wenn ich auf die letzten f\u00fcnf Jahre seit meiner R\u00fcckkehr von meinem Freiwilligendienst 2011\/2012 zur\u00fcckschaue, dann merke ich immer wieder, wie mich dieses Jahr gepr\u00e4gt hat. Bez\u00fcglich meiner beruflichen Laufbahn hat mein Freiwilligendienst mich sehr positiv beeinflusst. Meine Erfahrungen vor Ort konnte ich w\u00e4hrend meines Ethnologiestudiums hilfreich anwenden und viele Dinge aus der Theorie in die Praxis \u00fcbertragen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist, dass Vorstellungen von Erziehung kulturell sehr unterschiedlich sein k\u00f6nnen. So auch in Sambia, wo Kinder meist nicht nur durch die Kernfamilie, also in einem Haushalt bei Mutter und Vater aufwachsen, sondern in einem Mehrgenerationenhaushalt leben und Elternschaft sozial gesehen eine ganz andere Dimension hat. Verwandtschaft beruht nicht nur auf Blutsverwandtschaft, sondern auch andere Mitglieder, die in einem Haushalt leben, werden als <em>Tante <\/em>oder <em>Onkel<\/em> bezeichnet. Meine Erfahrungen in Sambia helfen mir auch bei meiner aktuellen Arbeit als Sozialarbeiterin in einer Beratungsstelle f\u00fcr Menschen mit Migrationshintergrund. Ich habe in Sambia gelernt, was es hei\u00dft \u00fcber den eigenen Tellerrand- die eigene Familie, die eigene Stadt, die Gesellschaft, den Kontinent hinauszuschauen und Wertesysteme, kulturelle Unterschiede, politische, soziale und historische Gegebenheiten wahrzunehmen, zu hinterfragen und zu akzeptieren. W\u00e4hrend meines Freiwilligendienstes habe ich eine der wichtigsten Erkenntnisse in meinem Leben gehabt, n\u00e4mlich nicht davon auszugehen und anderen zu vermitteln, dass eigene Vorstellungen und Werte, so wie sie mir durch meine Familie und die Institution Schule beigebracht wurden \u201edie Richtigen\u201c und \u201edie Normalen\u201c sind, sondern es immer auch noch andere Ansichten von etwas gibt. Interkulturelle Begegnungen sind komplex! Gerade in der heutigen Zeit von einseitiger Berichterstattung, Rechtspopulismus und politischen und wirtschaftlichen Ver\u00e4nderungen ist es immer wichtig die Gefahr einer einseitigen Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren.<\/p>\n<p>Seit vier Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich f\u00fcr unseren Vorstand. Zum einen, weil ich es absolut sinnvoll finde, diese Art von pers\u00f6nlichem Austausch zu f\u00f6rdern und zum anderen, weil ich auf diese Art neben den Gespr\u00e4chen mit meiner Gastfamilie mit Sambia in Kontakt bleibe. Ich m\u00f6chte an dieser Stelle alle Leserinnen und Leser herzlich einladen, in unserem Vereinsvorstand mitzuwirken. Wir freuen uns \u00fcber jedes Engagement. Bei Interesse informieren wir gerne \u00fcber m\u00f6gliche Aufgabenbereiche.<\/p>\n<p>Herzliche Gr\u00fc\u00dfe an alle!<\/p>\n<p>Nina Braun<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor meiner vierw\u00f6chigen Reise nach Sambia war ich ganz sch\u00f6n aufgeregt und habe mich gefragt, was mich dort erwarten w\u00fcrde. Was hat sich ver\u00e4ndert? Wer wird mich wohl wiedererkennen? Wie wird es sein, meine Gastfamilie wieder zu sehen? Ich hatte vorab nur meiner Gast-Oma erz\u00e4hlt, dass ich zu Besuch komme. 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