Ben und Silja in Sambia

Heute zwei Monate Gwembe

Ehrlich gesagt kommt mir die Zeit sehr viel kürzer vor, weil schon so vieles hier passiert ist.

Vor ungefähr zweieinhalb Monaten sind meine Mitfreiwillige Silja und ich nach einem emotionalen Abschied von der Familie und gefühlten fünf Minuten Flügen über Paris und Nairobi in Lusaka am Kenneth Kaunda International Airport gelandet.

Es lag vor allem an der Vorfreude, die ich auf das Jahr hatte, dass mir der Flug so kurz vorkam.

Obwohl unser Hauptgepäck in Nairobi stecken geblieben war, was an einer kurzen Umsteigezeit dort lag, fühlten wir uns dank einer herzlichen Umarmung von Sister Chrisencia und den anderen Sisters des Holy Spirit und einem leckerem Essen am Abend sehr wohl. Dass wir erst am Abend angekommen waren, hatte vor allem den Grund, das eine große Baustelle auf einem Abschnitt der Strecke und eine Unfall uns den Weg versperrten. Diese mussten wir natürlich beim Abholen des Gepäcks nochmal passieren. Die lange Fahrt wurde jedoch durch wunder schöne Sonnenauf- und Sonnenuntergänge und netten Gesprächen mit dem Fahrer der Sisters sehr verkürzt.

Ansonsten durften wir erstmal entspannen und uns im Haus der Sisters einleben. Das „Touri-Gefühl“, dass ich immer ein bisschen habe, wenn ich in einem anderen Land ankomme, war natürlich da, verschwindet aber immer mehr seit ich hier bin.

Am Samstag stellte uns Sister dann den Plan für die kommende Woche vor. Den Sonntag verbrachten wir einer Messe in Gwembe, der Stadt die ich heute mein zweites Zuhause nennen darf, und Chikuni, wo Silja ihr Familie das erste Mal Live und in Farbe treffen konnte.

Die anschließende Woche, die wir im Gasthaus der Sisters verbrachten, war gefüllt

mit Chitonga-Unterricht durch die herzliche Mrs. Mapanza, Einkäufen im lokalen Supermarkt, dem Kochen für die Sisters mit eigenen Menüs und vielem mehr. Dabei war der Unterricht nicht nur auf die Sprache beschränkt, sondern enthielt auch kulturelle Besonderheiten Sambias und einen Tag an dem wir alles mögliche Essen probieren und mitnehmen durften. Unsere Lehrerin, die aus der gleichen Stadt kommt, in der ich derzeit lebe, betonte dabei immer wieder, dass der Umgang jedoch in jeder Familie anders sei, womit sie Recht behalten sollte.

Am letzten Tag zeigte sie uns dann noch ihre eigentliche Arbeitsstelle, ein Platz für Kleinkinder mit eigenem Platz für Vorschulunterricht und einem Wunderschönen Gemälde von einem lokalen befreundeten Künstler.

Nachdem der Samstag erstmal zum Entspannen und Planen genutzt wurde, fuhren wir in den folgenden Tagen mit kleinerem Gepäck nach Livingston, um dort die Viktoria Wasserfälle mit der ehemaligen Freiwilligen Nina und ihrem Bruder zu bestaunen. Dabei durften wir dann auch nochmal richtig den Tourist/die Touristin raus hängen lassen: Kamera, drei Kilo Sonnencreme im Gesicht und  Kappe.

Für uns beide ging dann es zur großen Überraschung am Dienstag direkt in die Familien, in denen wir jetzt seit zwei Monaten leben.

Ich fühle mich sehr wohl in meiner (Gast-)Familie, die aus meinen beiden Eltern, meiner älteren und jüngeren Schwester, meinem kleinen Bruder, dem Sohn meiner älteren Schwester und einer Cousine besteht, die derzeit mit uns hier lebt. Ein kleiner Anstieg also von 5 auf 8 Personen. Am Anfang war ich mir dabei noch unsicher, was für Aufgaben ich als einziger „Junge“ in der Familie übernehmen soll, da in den letzten Jahren kein Junge mit dem Ewe nach Sambia gereist war. Zu dem liegt diese Einstellung im Nachhinein betrachtet vielleicht an einigen Vorurteilen, die ich – wenn auch unterbewusst –  aus Deutschland mitgebracht habe. In meinem Kopf porträtierte sich die „typische afrikanische“ Familie mit einer traditionellen Rollenverteilung in patriarchaler Struktur: die Frauen waschen, kochen, putzen und kümmern sich um die Kinder; die Männer gehen arbeiten, treffen wichtige Entscheidung und lassen sich bedienen. Obwohl ich von zu Hause viele Familien kenne, in denen es auch anders läuft und ich auch selber nicht in solch einer konservativen Familienstruktur aufgewachsen bin, hatte ich diese Erwartungen an meine Gastfamilie. Ich denke das liegt vor allem an einem rassistischen Vorurteil, dass die Abwesenheit von „westlicher“ Kultur häufig gleichgesetzt wird mit einer Abwesenheit von Fortschritt, unter anderem eben auch bei Geschlechterfragen. Auch wenn das etwas war, das unterbewusst in meinem Kopf ablief, bin ich froh dass ich diesen sozialisierten Denkfehler entdeckt habe und mich jetzt aktiv gegen solche Gedanken wehren kann, denn bis auf das Kümmern der beiden kleinen Jungen mache ich eigentlich alles im Haushalt, wozu auch Kochen und Waschen gehört. Dabei wird mit Waschpaste, Wasser, einer Wanne und den Händen gewaschen, was ich auch erstmal lernen musste und gar nicht so einfach ist wie es sich an hört.

Das Essen ist super lecker und unterscheidet sich im Aufbau und der Zusammensetzung nicht groß von deutschem Essen. Die Zubereitung ist natürlich anders und was in Deutschland die Kartoffel ist, ist hier Shima, ein fester Maisbrei, den man mit den Händen isst und sich das Essen greift. Zwischendurch gibt es aber auch immer wieder Reis, Kartoffeln oder Nudeln, die wir dann mit Messer und Gabel essen. Wie ich Shima mit Besteck essen sollte, wüsste ich aber auch gar nicht.

Meine Arbeit habe ich erst vor kurzem begonnen, da es einige kleine Organisierungsschwierigkeiten gab, was vor allem daran liegt, dass ich der erste Freiwillige in Gwembe bin. Ich arbeite tagsüber im Krankenhaus und habe vor kurzem vom Empfang, an dem die Patienten/Patientinnen ankommen und ihre Karteikarten erhalten, zur Physiotherapie Abteilung gewechselt. Obwohl das Krankenhaus klein ist besitzt es eigentlich alle nötigen Stationen. Nur bei größeren Operationen, werden die Patienten mit einem Krankenwagen nach Monze oder Chikuni geschickt.

Nach der Arbeit gibt es meistens erstmal etwas zu essen und ich gehe zur „Youth-Group“. Das ist quasi der Jugendtreff, der in Gwembe noch sehr jungen römisch-katholischen Kirchengemeinde.

Mit der Gruppe hatte ich bereits zwei Auftritte mit Tanzen und Liedern in Chitonga und Englisch. Einer war bei dem monatlichen Konzert der Jugendgruppen, bei dem sie Geldsammeln und der andere in der Kirche. Was genau ich in Chitonga gesungen habe weiß ich nicht, da mir das Lernen und Sprechen der Sprache schwerer fällt als gedacht. Ich versuche es aber inzwischen mit einer Lehrerin, die ich auf einem der Fahrradausflüge kennengelernt habe, zu denen mich der Auszubildende Bruder Paul mitnimmt.

Ansonsten nutze ich meine Freizeit zum Treffen mit bereit gemachten Freunden/ Freundinnen, mit denen ich dann Fußball oder Netball gucken gehe. Viele von ihnen habe ich in der Kirche kennengelernt. Ich habe auch vor einem der vier großen Fußball Vereine der Gwembe-League in naher Zukunft beizutreten.

Abends gucken wir als Familie alle gemeinsam Fernsehen, was sich glaube ich nicht groß von typisch deutschen Abenden unterscheidet. Statt Tatort und anderen Serien gucken wir aber immer eine Bollywoodserie, die ich, wie ich zugeben muss, manchmal in ihren Handlungen und Dialogen besser als deutsches Fernsehen finde. Aber auch Serien von sambischen oder namibischen Produktionsfirmen gibt es viele, obwohl es mir die Handlungen noch nicht so angetan haben, finde ich die Schauspieler/ Schauspielerinnen hier häufig besser und überzeugender als bei amerikanischen Produktionen.

Bis auf eine kleine Unterbrechung am Tag der deutschen Einheit, zu dem wir nach Lusaka in die deutsche Botschaft eingeladen wurden, lebe ich jetzt zwei Monate in Gwembe und fühle mich super wohl. Wie beschrieben unterscheidet sich mein Leben hier in vielen Dingen vom Leben in Deutschland, vieles ist aber auch gar nicht so anders, wie man sich das vorstellt. Trotzdem freue ich mich weiter hier vieles zu lernen und mein weiteres Jahr in Sambia verbringen zu dürfen.

Ben Lukas Koch


Willkommen in Sambia

Nun bin ich schon etwas mehr als zwei Monate in Sambia und ich muss sagen, dass ich mich schon richtig gut eingelebt habe. Natürlich waren die ersten Tage ein kleiner Kulturschock, aber die Menschen haben uns sehr freundlich empfangen. Wir haben sogar die Viktoria Fälle gesehen. Auch wenn sie zu dieser Zeit eher wenig Wasser hatten, so waren sie doch sehr beeindruckend.

Nach der Eingewöhnungswoche sind wir dann endlich zu unseren Familien gekommen. Ich war schon echt aufgeregt und der Empfang war sehr herzlich, zudem habe ich einen leckeren Willkommenskuchen bekommen und wir haben viel geredet und gelacht. In meiner sambischen Schwester Martha habe ich eine gute Gesprächspartnerin gefunden. Auch pflegen wir als Familie ein offenes Verhältnis. Mein Tonga Name ist Chabilo, was so viel wie jubeln oder anfeuern bedeutet.

Leider muss man sich sehr oft auf Stromausfälle und wenig Wasser einstellen, aber wir haben sehr gute Lösungen gefunden, um diese Stunden gut zu überbrücken.

Nach den ersten paar Wochen zu Hause hatte ich die Wahl, mir eine Arbeitsstelle auszusuchen. Ich habe mich für das Krankenhaus entschieden und arbeite nun auf der Entbindungsstation. Es ist eine sehr spannende und wundervolle Arbeit.

Langsam aber sicher fange ich an Tonga zu lernen. Tonga ist in unserer Region die am meisten gesprochene Sprache. Bis jetzt kann ich zwar nur die Begrüßung, aber wer weiß wie es nach einem Jahr damit aussieht. Die Menschen in Chikuni sind sehr freundlich und haben mich gut empfangen. Wir haben das Glück, dass in unserer Nähe eine sehr gute Näherin wohnt und bis jetzt habe ich auch schon zwei sehr schöne Kleider bekommen. Die Kleider werden aus Chitenge gemacht, einem bunt gemusterten Stoff, den die Frauen hier als eine Art Rock tragen. Zudem ist er als Schutz vor Staub gedacht und sieht sehr schön aus.

Am 24. Oktober war der Independence Day in Sambia. Wir haben an diesem Tag zusammen Hähnchen gegrillt und zusammen getanzt. Die Feier ging bis in den Abend hinein und alle hatten eine Menge Spaß zusammen. Zudem habe ich viele neue Leute kennengelernt und viel geredet.

Jetzt fängt so langsam die Regenzeit an und nach den heißen Tagen ist das eine schöne Abkühlung.

Insgesamt habe ich mich sehr gut eingelebt und fühle mich sehr wohl. Ich freue mich schon auf viele neue Erfahrungen und Erlebnisse.

Silja Thönnes