Ben und Silja in Sambia

Alles auf Anfang

Mitte November habe ich Gwembe, mein erstes kleines Zuhause hier in Sambia, für ein neues in Mazabuka verlassen. Gwembe ist im Gegensatz zu Mazabuka ein kleines Dorf. Es war sehr hilfreich, dass ich Mazabuka schon durch meine Zeit, die wir mit den Schwestern hier verbracht haben, etwas kannte.

Ich wurde sehr nett in der neuen Familie aufgenommen. Vor allem sind meine Mutter und mein „Gastbruder“ zu Hause. Er ist nur quasi mein Bruder, da er eigentlich der Sohn einer Cousine meiner Mutter ist. Mit ihm teile ich mir ein Zimmer und wir verbringen sehr viel Zeit miteinander. Außer diesem Teil meiner neuen Gastfamilie begrüßten mich noch vier Hunde im Garten des Hauses. Vier Weibchen: Charlie, Shadey, Norbit und Sugar, der Nachbarshund. Schön ist auch, dass meine Großeltern in Kaonga, einem andern Stadtteil von Mazabuka, leben. Im Prinzip habe ich so zwei Zuhause in derselben Stadt.

Meine Mutter arbeitet unter der Woche sehr viel, weshalb ich mit meinem Bruder den Großteil der Hausarbeit übernehme. Dazu gehören natürlich auch Waschen, Kochen und Putzen, aber generell packt jeder so viel und häufig mit an, wie er kann.

Genau wie in Gwembe gibt es eine Youth-Group der römisch-katholischen Kirche. Jeden Sonntag nach der Messe heißt es dann entweder Reden über anstehende Veranstaltungen, Chorproben für besondere Messen oder einfach der Austausch über Themen, Probleme und mehr.

Die ersten beiden Wochen meiner Zeit in Mazabuka, verbrachte ich mit meinem Bruder, der mir sowohl die Umgebung meines neuen Zuhauses als auch einige seiner Freunde vorstellte. In Mazabuka selbst leben wir auf der Zuckerplantage in der „Staff-Area“, also einer der Werkssiedlungen von „Zambia Sugar“, da meine Mutter als Buchhalterin bei selbiger arbeitet. Das Haus ist wunderschön mit einem netten Nutz- und Ziergarten drum herum. Neben Mangos, von denen wir zeitweise so viele hatten, dass wir sie an die Nachbarn verschenkt haben, kann man auch Guaven, Papaya und viele verschiedene Gemüsesorten finden.

Nachdem ich eine Woche teils zu Hause mit den Hunden, teils im Haus meiner Großeltern verbracht habe, wurde ich pünktlich kurz vor Weihnachten ein bisschen krank und wurde von meinen Großeltern dankenswerter Weise unterstützt. Kurz vor Weihnachten und am Feiertag selbst habe ich dann endlich meine beiden anderen Gastbrüder kennengelernt.

Ich durfte nicht nur den Weihnachtsbaum für meine Mutter sondern auch für meine Großeltern schmücken. Ich habe die Weihnachtstage hier sehr genossen. Die Woche zuvor schon gab es jeden Abend eine Messe, was dann am Sonntagabend in einem Gesangskonzert der verschiedenen kirchlichen Gruppen endete. Am besten von allen haben mir persönlich dabei ein Kinderchor und der Kirchenchor gefallen. Am Heiligabend gab es vor der Messe auch noch ein Theaterstück der Kinder zur Jesusgeschichte. Die eigentliche Hauptmesse war aber am Weihnachtstag, wo wir nach selbiger am Morgen zum Familienessen bei den Großeltern eingeladen worden sind. Jeder hatte etwas gekocht oder mitgebracht.

Kurz darauf war ich dann auch schon mit dem Flugzeug auf dem Weg nach Tansania, wo ich in den kommenden Wochen ein sehr bereicherndes Zwischenseminar, Urlaub und eine wunderschöne Zugfahrt im Tanzara zurück nach Hause erleben durfte. Nach meiner Rückkehr und auch schon während meiner Zeit in einem anderen afrikanischen Land ist mir sehr stark aufgefallen, wie sehr verallgemeinernd man immer von Afrika spricht. Häufig wird Afrika im Fernsehe, Zeitungen, aber auch beim Behandeln dieses Themas in der Schule immer mit Ländern wie USA, China oder auch Deutschland gleichgesetzt. Dabei ist Afrika ein Kontinent mit sehr vielfältigen und unterschiedlichen Kulturen und Ländern. Diese Kulturen machen natürlich vor kolonial gesetzten Landesgrenzen keinen Halt. Aber als ich in Tansania war, sind mir sehr viele kulturelle Unterschiede zu Sambia noch deutlicher geworden. Ich muss sogar sagen, dass ich es noch schwieriger finde, ein Land in Afrika als in Europa zu verallgemeinern. Allein in Sambia werden zum Beispiel 72 verschiedene Bantu-Sprachen und Englisch gesprochen, wobei Letzteres aus der Kolonialzeit herrührt. Jede Bevölkerungsgruppe setzt die eigene Kultur quasi durch die Sprache ein bisschen von der der anderen ab. Es wäre also quasi viel richtiger von Deutschen in einem Atemzug mit z.B. der Volksgruppe der Chitonga zu sprechen.

Nach meiner Rückkehr war vieles so geblieben, wie ich es verlassen hatte. Nur dass sich unsere Familie hat sich vergrößert hatte: um die Welpen von Shadey und Sugar.

Direkt am ersten Tag gab es ein Treffen der Youth-Group für ihren Schutzpatron Don Bosco. Nach einer kurzen Messe wurde über ihn gesungen und kleine Sketche vorgeführt. Der Rest des Tages war dann sehr frei gestaltet mit einer großen Box, um die wir im Kreis getanzt haben, und einem großen Sportangebot mit Volleyball, Netball und Fußball.

Auf dieses Wochenende folgte direkt meine Arbeit an der „Flamboyant Special School“, an der  behinderte und gehörlose Kinder unterrichtet werden. Die erste Woche: und ich durfte direkt beim Unterricht helfen. Am Freitag wurde nach der Versammlung am Morgen, bei der ich meine ersten Worte auf englischer Gebärdetensprache lernte, als die Nationalhymne gesungen wurde, gab es eine nette Sporteinheit am Nachmittag. Wie auch schon in der neuen Familie, wurde ich auch hier von Schülern und Lehrern sehr herzlich in Empfang genommen. (Ich finde generell, ohne verallgemeinern zu wollen, dass ich hier Herzlichkeit viel häufiger antreffe als zum Beispiel in Deutschland. Eine der Sachen, die ich versuchen werde, auf jeden Fall mit nach Hause zu nehmen.)

Die zweite und dritte Woche habe ich in einer Klasse mit gehörlosen Kindern gearbeitet. Für mich als Mensch,  der Musik sehr liebt, und der deshalb sehr von seinem Gehör abhängig ist, ist die Arbeit in dieser Klasse sehr interessant. Und obwohl ich erst sehr kurz in der Klasse bin, glaube ich, doch schon sehr viel Gebärdensprache zu verstehen.

In Zukunft möchte ich so viel wie möglich auch noch den Unterricht der anderen Klassen besuchen, aber auch weiterhin meine Kenntnisse in dieser für mich noch neuen Sprache erweitern. Da Mazabuka eine eher größere Stadt ist, wird hier viel Englisch gesprochen. Trotzdem möchte ich  auch meine Kenntnisse in Chitonga aus weiten. Meine Brüder haben mir erzählt, dass Chitonga mit Chibemba und Chinyanja  zusammen eine der häufigsten Sprachen ist, und jeder häufig mindestens eine dieser drei Sprachen, Englisch und seine lokale Sprache spricht, was ich sehr beeindruckend finde. Außerdem freue ich mich noch auf meine weitere Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden in der Kirche und bei der Arbeit. Ich hoffe, dass die Zeit hier nicht zu schnell verfliegt und ich dann im August mit noch mehr schönen Erinnerungen und guten Gefühlen zurückkehren kann.

Ben Lukas Koch


Erfahrungen für meine Zukunft

Hallo Ihr Lieben,

Ich kann es gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man sich schon richtig gut eingelebt hat. Jetzt sind es nämlich schon mehr als fünf Monate und ich merke jetzt schon, dass die restliche Zeit viel zu schnell vorbeigehen wird. Die Arbeit im Krankenhaus macht mir immer noch sehr viel Spaß. Es gibt kein schöneres Gefühl, als bei einer Hospitation eine Geburt mit zu erleben. Die Hebammen zeigen mir sehr viel von ihrer Arbeit und ich lerne immer mehr dazu. Dadurch habe ich gemerkt, wie toll ich den Beruf finde und ich habe entschieden, selbst in die Richtung der Hebamme zu gehen. Das Krankenhaus, in dem ich arbeite, ist zwar nicht so groß, aber es gefällt mir trotzdem sehr gut dort. Das liegt wahrscheinlich auch an den sehr freundlichen Hebammen und Krankenschwestern, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Es wird nie langweilig, weil man immer etwas Neues erlebt. Dazu gehört leider auch der Tod, der genau so Teil davon ist, wie das Leben. Man muss aufpassen, dass man nicht alles zu nah an sich heran lässt. Ich bin immer noch erstaunt, was die Hebammen mit wenigen Mitteln alles schaffen können.

Mein Alltag unter der Woche sieht dann meistens so aus: um 13:00 gehe ich nach der Arbeit nach Hause, dann bade und esse ich etwas und habe danach etwas Freizeit. Abends bereiten wir zusammen das Abendessen zu. Ich habe auch schon gelernt, wie man das traditionelle Gericht Nshima (eine Art Maisbrei) kocht.

Weihnachten wurde relativ einfach gehalten. Wir haben am Weihnachtsmorgen sehr früh angefangen zu kochen, viele verschiedene Sachen wie zum Beispiel Kartoffeln, Nudeln, Hähnchen, Bohnen und vieles mehr. Am Tag davor hatte ich auch noch einen Kuchen gebacken, den wir dann zusammen gegessen haben. Bei mir kam leider keine richtige Weihnachtsstimmung auf, was aber daran lag, dass es viel zu warm war. Trotzdem hat mir das andere Weihnachten sehr gefallen. Man sollte immer erst alle Möglichkeiten austesten, bevor man sagen kann, was einem gefällt oder was zu einem passt.

Ein paar Tage später haben Ben und ich uns nach Sansibar aufgemacht, um dort ein paar Tage Urlaub zu machen und danach das Zwischenseminar zu besuchen.

Wir sind über Nacht geflogen und kamen am frühen Morgen auf Sansibar an. Wir haben uns in Stone Town mit anderen deutschen Freiwilligen getroffen und dort ein paar Tage verbracht. Wir haben uns den Night Market mit vielen leckeren Speisen angesehen und auch eine tolle Spice Tour gemacht. Bei der Spice Tour wurden einem die verschiedenen Gewürze in einem Wald gezeigt und wir durften auch Früchte probieren. Danach sind wir weiter nach Nungwi gefahren, also ganz in den Norden von Sansibar. Ich bin dort Schnorcheln gegangen und wir konnten viel am Strand und auf dem Markt entdecken. Leider habe ich mir einen starken Sonnenbrand geholt, aber das hat mich nicht davon abgehalten, Spaß zu haben. In Nungwi gibt es wunderschöne Strände und man kann die Abenddämmerung in einem Restaurant direkt am Strand verbringen. Wir hatten dort wirklich eine tolle Zeit.

Danach sind wir mit der Nachtfähre direkt nach Daressalam, Tansania, gefahren. Nach ein paar Tagen Stadtbesichtigung sind wir zum Zwischenseminar gefahren. Eine Woche lang konnten wir uns mit anderen deutschen Freiwilligen aus Sambia, Tansania, Malawi und Uganda austauschen, haben Diskussionen geführt und einen Ausflug zum Strand gemacht. Mir hat diese Woche gut gefallen und es tat auch gut, sich mit anderen Freiwilligen über Probleme, Ängste, Erfahrungen oder Erfolge auszutauschen.

Mit dem Zug sind wir dann drei Tage von Tansania nach Sambia gefahren. Ich habe mir mein Schlafabteil mit zwei Koreanerinnen geteilt und zusammen hatten wir eine schöne Zeit. Das Essen war sehr lecker und auch das Personal war sehr freundlich. Klar dauerte es schon ziemlich lange, aber die Natur war schon sehr schön. Wir sind durch viele Dörfer gefahren und haben dadurch viele Menschen getroffen. Die Sauberkeit war nicht perfekt, aber es war auch nur für drei Tage.

Zurück in Chikuni  habe ich mich sehr gefreut, wieder in der Familie zu sein und auch wieder arbeiten zu gehen. Nun, nach ein, zwei Wochen, finde ich mich wieder mitten im Alltag wieder, arbeite im Krankenhaus und verbringe Zeit zu Hause mit der Familie. Ich warte immer noch darauf, den dritten Sohn der Familie kennenzulernen. Er ist der zweitälteste und ich habe ihn bisher noch nicht persönlich getroffen. Dann kann ich auch endlich ein vollständiges Familienfoto machen.

Vor ein paar Tagen durfte ich dann auch den OP besuchen und dort alles beobachten. Eine Frau in ihren Vierzigern ließ sich sterilisieren. Ich war dabei, wie sie vor ungefähr zwei Monaten ihr zehntes Kind bekommen und damit ihre Familienplanung abgeschlossen hat. Die Operation war sehr schnell vorbei und ich fand sie auch nicht so schlimm, wie man vielleicht vermutet. Es war echt eine tolle Erfahrung und wenn ich kann, möchte ich bald wieder hospitieren. Vielleicht kann ich dann auch schon bald bei einem Kaiserschnitt dabei sein? Das wäre noch ein Wunsch von mir.

Ansonsten freue ich mich auf die weiteren Monate und auf das,  was ich alles noch so erleben werde. Ich denke, es wird noch eine aufregende Zeit.

Silja Thönnes


Heute zwei Monate Gwembe

Ehrlich gesagt kommt mir die Zeit sehr viel kürzer vor, weil schon so vieles hier passiert ist.

Vor ungefähr zweieinhalb Monaten sind meine Mitfreiwillige Silja und ich nach einem emotionalen Abschied von der Familie und gefühlten fünf Minuten Flügen über Paris und Nairobi in Lusaka am Kenneth Kaunda International Airport gelandet.

Es lag vor allem an der Vorfreude, die ich auf das Jahr hatte, dass mir der Flug so kurz vorkam.

Obwohl unser Hauptgepäck in Nairobi stecken geblieben war, was an einer kurzen Umsteigezeit dort lag, fühlten wir uns dank einer herzlichen Umarmung von Sister Chrisencia und den anderen Sisters des Holy Spirit und einem leckerem Essen am Abend sehr wohl. Dass wir erst am Abend angekommen waren, hatte vor allem den Grund, das eine große Baustelle auf einem Abschnitt der Strecke und eine Unfall uns den Weg versperrten. Diese mussten wir natürlich beim Abholen des Gepäcks nochmal passieren. Die lange Fahrt wurde jedoch durch wunder schöne Sonnenauf- und Sonnenuntergänge und netten Gesprächen mit dem Fahrer der Sisters sehr verkürzt.

Ansonsten durften wir erstmal entspannen und uns im Haus der Sisters einleben. Das „Touri-Gefühl“, dass ich immer ein bisschen habe, wenn ich in einem anderen Land ankomme, war natürlich da, verschwindet aber immer mehr seit ich hier bin.

Am Samstag stellte uns Sister dann den Plan für die kommende Woche vor. Den Sonntag verbrachten wir einer Messe in Gwembe, der Stadt die ich heute mein zweites Zuhause nennen darf, und Chikuni, wo Silja ihr Familie das erste Mal Live und in Farbe treffen konnte.

Die anschließende Woche, die wir im Gasthaus der Sisters verbrachten, war gefüllt

mit Chitonga-Unterricht durch die herzliche Mrs. Mapanza, Einkäufen im lokalen Supermarkt, dem Kochen für die Sisters mit eigenen Menüs und vielem mehr. Dabei war der Unterricht nicht nur auf die Sprache beschränkt, sondern enthielt auch kulturelle Besonderheiten Sambias und einen Tag an dem wir alles mögliche Essen probieren und mitnehmen durften. Unsere Lehrerin, die aus der gleichen Stadt kommt, in der ich derzeit lebe, betonte dabei immer wieder, dass der Umgang jedoch in jeder Familie anders sei, womit sie Recht behalten sollte.

Am letzten Tag zeigte sie uns dann noch ihre eigentliche Arbeitsstelle, ein Platz für Kleinkinder mit eigenem Platz für Vorschulunterricht und einem Wunderschönen Gemälde von einem lokalen befreundeten Künstler.

Nachdem der Samstag erstmal zum Entspannen und Planen genutzt wurde, fuhren wir in den folgenden Tagen mit kleinerem Gepäck nach Livingston, um dort die Viktoria Wasserfälle mit der ehemaligen Freiwilligen Nina und ihrem Bruder zu bestaunen. Dabei durften wir dann auch nochmal richtig den Tourist/die Touristin raus hängen lassen: Kamera, drei Kilo Sonnencreme im Gesicht und  Kappe.

Für uns beide ging dann es zur großen Überraschung am Dienstag direkt in die Familien, in denen wir jetzt seit zwei Monaten leben.

Ich fühle mich sehr wohl in meiner (Gast-)Familie, die aus meinen beiden Eltern, meiner älteren und jüngeren Schwester, meinem kleinen Bruder, dem Sohn meiner älteren Schwester und einer Cousine besteht, die derzeit mit uns hier lebt. Ein kleiner Anstieg also von 5 auf 8 Personen. Am Anfang war ich mir dabei noch unsicher, was für Aufgaben ich als einziger „Junge“ in der Familie übernehmen soll, da in den letzten Jahren kein Junge mit dem Ewe nach Sambia gereist war. Zu dem liegt diese Einstellung im Nachhinein betrachtet vielleicht an einigen Vorurteilen, die ich – wenn auch unterbewusst –  aus Deutschland mitgebracht habe. In meinem Kopf porträtierte sich die „typische afrikanische“ Familie mit einer traditionellen Rollenverteilung in patriarchaler Struktur: die Frauen waschen, kochen, putzen und kümmern sich um die Kinder; die Männer gehen arbeiten, treffen wichtige Entscheidung und lassen sich bedienen. Obwohl ich von zu Hause viele Familien kenne, in denen es auch anders läuft und ich auch selber nicht in solch einer konservativen Familienstruktur aufgewachsen bin, hatte ich diese Erwartungen an meine Gastfamilie. Ich denke das liegt vor allem an einem rassistischen Vorurteil, dass die Abwesenheit von „westlicher“ Kultur häufig gleichgesetzt wird mit einer Abwesenheit von Fortschritt, unter anderem eben auch bei Geschlechterfragen. Auch wenn das etwas war, das unterbewusst in meinem Kopf ablief, bin ich froh dass ich diesen sozialisierten Denkfehler entdeckt habe und mich jetzt aktiv gegen solche Gedanken wehren kann, denn bis auf das Kümmern der beiden kleinen Jungen mache ich eigentlich alles im Haushalt, wozu auch Kochen und Waschen gehört. Dabei wird mit Waschpaste, Wasser, einer Wanne und den Händen gewaschen, was ich auch erstmal lernen musste und gar nicht so einfach ist wie es sich an hört.

Das Essen ist super lecker und unterscheidet sich im Aufbau und der Zusammensetzung nicht groß von deutschem Essen. Die Zubereitung ist natürlich anders und was in Deutschland die Kartoffel ist, ist hier Shima, ein fester Maisbrei, den man mit den Händen isst und sich das Essen greift. Zwischendurch gibt es aber auch immer wieder Reis, Kartoffeln oder Nudeln, die wir dann mit Messer und Gabel essen. Wie ich Shima mit Besteck essen sollte, wüsste ich aber auch gar nicht.

Meine Arbeit habe ich erst vor kurzem begonnen, da es einige kleine Organisierungsschwierigkeiten gab, was vor allem daran liegt, dass ich der erste Freiwillige in Gwembe bin. Ich arbeite tagsüber im Krankenhaus und habe vor kurzem vom Empfang, an dem die Patienten/Patientinnen ankommen und ihre Karteikarten erhalten, zur Physiotherapie Abteilung gewechselt. Obwohl das Krankenhaus klein ist besitzt es eigentlich alle nötigen Stationen. Nur bei größeren Operationen, werden die Patienten mit einem Krankenwagen nach Monze oder Chikuni geschickt.

Nach der Arbeit gibt es meistens erstmal etwas zu essen und ich gehe zur „Youth-Group“. Das ist quasi der Jugendtreff, der in Gwembe noch sehr jungen römisch-katholischen Kirchengemeinde.

Mit der Gruppe hatte ich bereits zwei Auftritte mit Tanzen und Liedern in Chitonga und Englisch. Einer war bei dem monatlichen Konzert der Jugendgruppen, bei dem sie Geldsammeln und der andere in der Kirche. Was genau ich in Chitonga gesungen habe weiß ich nicht, da mir das Lernen und Sprechen der Sprache schwerer fällt als gedacht. Ich versuche es aber inzwischen mit einer Lehrerin, die ich auf einem der Fahrradausflüge kennengelernt habe, zu denen mich der Auszubildende Bruder Paul mitnimmt.

Ansonsten nutze ich meine Freizeit zum Treffen mit bereit gemachten Freunden/ Freundinnen, mit denen ich dann Fußball oder Netball gucken gehe. Viele von ihnen habe ich in der Kirche kennengelernt. Ich habe auch vor einem der vier großen Fußball Vereine der Gwembe-League in naher Zukunft beizutreten.

Abends gucken wir als Familie alle gemeinsam Fernsehen, was sich glaube ich nicht groß von typisch deutschen Abenden unterscheidet. Statt Tatort und anderen Serien gucken wir aber immer eine Bollywoodserie, die ich, wie ich zugeben muss, manchmal in ihren Handlungen und Dialogen besser als deutsches Fernsehen finde. Aber auch Serien von sambischen oder namibischen Produktionsfirmen gibt es viele, obwohl es mir die Handlungen noch nicht so angetan haben, finde ich die Schauspieler/ Schauspielerinnen hier häufig besser und überzeugender als bei amerikanischen Produktionen.

Bis auf eine kleine Unterbrechung am Tag der deutschen Einheit, zu dem wir nach Lusaka in die deutsche Botschaft eingeladen wurden, lebe ich jetzt zwei Monate in Gwembe und fühle mich super wohl. Wie beschrieben unterscheidet sich mein Leben hier in vielen Dingen vom Leben in Deutschland, vieles ist aber auch gar nicht so anders, wie man sich das vorstellt. Trotzdem freue ich mich weiter hier vieles zu lernen und mein weiteres Jahr in Sambia verbringen zu dürfen.

Ben Lukas Koch


Willkommen in Sambia

Nun bin ich schon etwas mehr als zwei Monate in Sambia und ich muss sagen, dass ich mich schon richtig gut eingelebt habe. Natürlich waren die ersten Tage ein kleiner Kulturschock, aber die Menschen haben uns sehr freundlich empfangen. Wir haben sogar die Viktoria Fälle gesehen. Auch wenn sie zu dieser Zeit eher wenig Wasser hatten, so waren sie doch sehr beeindruckend.

Nach der Eingewöhnungswoche sind wir dann endlich zu unseren Familien gekommen. Ich war schon echt aufgeregt und der Empfang war sehr herzlich, zudem habe ich einen leckeren Willkommenskuchen bekommen und wir haben viel geredet und gelacht. In meiner sambischen Schwester Martha habe ich eine gute Gesprächspartnerin gefunden. Auch pflegen wir als Familie ein offenes Verhältnis. Mein Tonga Name ist Chabilo, was so viel wie jubeln oder anfeuern bedeutet.

Leider muss man sich sehr oft auf Stromausfälle und wenig Wasser einstellen, aber wir haben sehr gute Lösungen gefunden, um diese Stunden gut zu überbrücken.

Nach den ersten paar Wochen zu Hause hatte ich die Wahl, mir eine Arbeitsstelle auszusuchen. Ich habe mich für das Krankenhaus entschieden und arbeite nun auf der Entbindungsstation. Es ist eine sehr spannende und wundervolle Arbeit.

Langsam aber sicher fange ich an Tonga zu lernen. Tonga ist in unserer Region die am meisten gesprochene Sprache. Bis jetzt kann ich zwar nur die Begrüßung, aber wer weiß wie es nach einem Jahr damit aussieht. Die Menschen in Chikuni sind sehr freundlich und haben mich gut empfangen. Wir haben das Glück, dass in unserer Nähe eine sehr gute Näherin wohnt und bis jetzt habe ich auch schon zwei sehr schöne Kleider bekommen. Die Kleider werden aus Chitenge gemacht, einem bunt gemusterten Stoff, den die Frauen hier als eine Art Rock tragen. Zudem ist er als Schutz vor Staub gedacht und sieht sehr schön aus.

Am 24. Oktober war der Independence Day in Sambia. Wir haben an diesem Tag zusammen Hähnchen gegrillt und zusammen getanzt. Die Feier ging bis in den Abend hinein und alle hatten eine Menge Spaß zusammen. Zudem habe ich viele neue Leute kennengelernt und viel geredet.

Jetzt fängt so langsam die Regenzeit an und nach den heißen Tagen ist das eine schöne Abkühlung.

Insgesamt habe ich mich sehr gut eingelebt und fühle mich sehr wohl. Ich freue mich schon auf viele neue Erfahrungen und Erlebnisse.

Silja Thönnes